Die Georgine

A. Amadei

Warum so spät erst, Georgine?

Das Rosenmärchen ist erzählt

Und honigsatt hat sich die Biene

Ihr Bett zum Schlummer schon gewählt.

Sind nicht zu kalt dir diese Nächte?

Wie lebst du diese Tage hin?

Wenn ich dir jetzt den Frühling brächte,

Du feuergelbe Träumerin.

Wenn ich mit Maithau dich benetzte,

Begösse dich mit Juni-Licht?

Doch ach, dann wärst du nicht die Letzte,

Die stolze Einzige auch nicht.

Wie, Träumerin, lock' ich vergebens?

So reich' mir schwesterlich die Hand,

Ich hab' den Frühling dieses Lebens

Wie du den Maitag nicht gekannt.

Und spät, wie dir, du feuergelbe,

Stahl sich die Liebe mir in's Herz;

Ob spät, ob früh, es ist dasselbe

Entzücken und derselbe Schmerz.