Verrath

A. Amadei

„Sei stumm, mein Freund,“ so sprachst du leise

und küsstest mich mit sanftem Mund,

„kein Wort, kein Hauch, kein Blick erweise,

dass wir vereint zu holdem Bund!

Errät die Welt, dass ich dein Eigen,

bin ich verloren - zitterst du?

D'rum decke seliges Verschweigen

das seligste Geheimnis zu!“

Du weißt, ich hab' es dir versprochen

mit heil'gem Schwur noch, da ich schied;

doch ach, schon ist er auch gebrochen,

und schon verrät dich jetzt mein Lied.

Wie hält ein schmerzliches Entsagen

sich gern in tiefster Brust zurück,

und leiden lässt sich ohne Klagen;

wer aber trüge stumm sein Glück?