Poesie
A. Arensky
Vor langer, langer Zeit, aus Paradiesesauen,
den Rosenkranz im Haar ganz Unschuld, unverhüllt,
kam sie in uns're Welt, gar wunderlieb zu schauen:
ein Kind glückselig, stolz auf ihrer Schönheit Bild.
Neu war und ungekannt, was sie der Welt gegeben:
den Sinn für Harmonie, den Hang zur Schwärmerei:
Verklären wollte sie das graue Alltagsleben
und dass der Schönheit Dienst den Menschen heilig sei.
Doch schon beim ersten Schritt in diese Welt der Thränen,
entrissen ward der Kranz, getreten in den Staub.
Die Züge sind umflort, die kindlich reinen, schönen,
der gläub'ge hohe Sinn ward banger Zweifel Raub.
Die Hymnen sind verstummt, die lauten Jubelsänge!
Sie sind im Wettersturm verhallt für immerdar.
Es kennt die Poesie nur herbe Schmerzensklänge,
Statt Rosen trägt sie jetzt den Dornenkranz im Haar.