Haltet an der Hoffnung fest

A. Bergt

Haltet an der Hoffnung fest!

Flieht an ihre Schutzaltäre,

Daß sie Tröstung euch gewähre!

Denn sie trocknet jede Zähre,

Die das müde Auge näßt,

Wie des Abends Thau der West;

An der Hoffnung haltet fest!

Haltet an der Freundschaft fest!

Ariadne's Faden leihend,

Andern stets, sich nie verzeihend,

Opfernd sich dem Freunde weihend!

Drang, der Herz an Herzen preßt!

Unausglühender Asbest!

An der Freundschaft haltet fest!

Haltet an der Liebe fest!

Sie umschwebt des Morgens Pfühle,

Wallt mit uns in Mittagsschwüle,

Lockt bei Mondesabendkühle

Progne's Brut in's Halmennest.

Heil ihm, den sie nie verläßt!

An der Liebe haltet fest!

Haltet an dem Glauben fest:

Daß, in Kraft vereint zum Streben,

Wachsend wir empor uns heben,

Cedern gleich, nicht schwachen Reben!

Glaube ist's, der ahnen läßt,

Was ihr nicht begreift noch meßt!

An dem Glauben haltet fest!

Haltet an Erinnrung fest!

Für die, ach! so fern Entwichnen,

Für die, ach! so früh Verblichnen,

Unter Hügeln Ausgeglichnen!

Weiht getrennter Tage Rest

Ihnen, die ihr nie vergeßt!

An Erinnrung haltet fest!