Das einsame Blümchen

A. Börner

Holdes Blümchen, so allein,

Träumst du an der Halde?

Sieht dich kaum der Sonnenschein

In dem weiten Walde;

Keine Hand, die dich umhegt,

Nur der Wind, der dich bewegt,

Und in Sturm und Ungemach

Nur des Baumes Blätterdach --

Holdes Blümchen, so allein

Welkest du gar balde.

Doch es spricht der Blumenmund:

Will mich nicht beklagen!

Allen Vöglein bin ich kund

Rings im grünen Hagen;

Finkenlied und Amselschlag

Tönen hier den ganzen Tag,

Und im Abenddämmerschein

Wiegt mich sanft der Nachtwind ein,

Wundersüß tönt in der Rund'

Nachtigallenschlagen.

Welken muß im Sonnenhauch,

Was du sprüht und glühet;

Fröhlich sterben will ich auch,

Wie ich froh geblühet.

Süßer Duft und holder Schein

Sind mein Leben ganz allein --

Bleicht der Tag mein duftig Kleid,

Ist mir Licht und Odem leid:

Welken mag im Sonnenhauch,

Was da glühet und sprühet.