Im Rheingau

A. Bungert

Rheingau, du herrliches Zauberland,

nach dem meine Minne sich sehnt,

du Purpurgewand, d'ran schimmernd ein Band,

grüngoldiger Strom sich dehnt,

der uns rauscht die Märe vom Albenhort,

in die kristallenen Fluten versenkt;

unerschöpflicher Born, der manch' klingendes Wort

zum Singen und Harfen uns schenkt!

Da wiegen jauchzend sich Bub' und Dirn'

um die Lind' im fröhlichen Tanz;

die schönste umwindet des Spielmanns Stirn

mit dem laubigen Rebenkranz.

Und des Rheingolds Trank, der im Becher glänzt,

wie er so feurig rollt durchs Blut!

Wenn sie munternden Blickes ihn lachend kredenzt,

wie erhebt er da Sinn und Mut!

Und die Luft so weich, der Duft so lind

von den Sonnenhügeln her!

Ich halt' in den Armen meit rotwangig' Kind,

und das Herz ist mir so schwer!

Soll ich lassen dich? Soll ich fürbass zieh'n?

Wohin wird das Schicksal mich weh'n?

Du Zauberland! Wer mag dir entflieh'n,

du Minnige, wer dir entgeh'n?

So pflanz' ich den Stab in den Boden hinein,

häng' die Leier stumm an die Wand.

Ich bin und bleibe am fröhlichen Rhein,

im wonnigen Zauberland.

Kein Land im Reich, das ich wandernd durchzog,

fand ich so schön, d'rum hier leg' ich den Keim.

An dem treulieben Herzen, das niemals trog,

im Rheingau, da gründ' ich mein Heim!