Abendfeier

A. Crelle

Abend war's -- in feierlicher Stille

Lag die aufgeblühte Gartenflur,

Über die ein leiser Laut der Grille

Wie ein tiefer Ahnungsseufzer fuhr.

Du erschienst -- o, wie zu ihrem Throne

Eine Fürstin tritt, so nahtest du;

Jeder Baum warf eine helle Krone

Seiner stillen Huldigung dir zu.

Unter weichen Nachtigallenschlägen

Taumelten vom hohen Rosenstock

Die verwehten Blüten dir entgegen,

Bräutlich zu bekränzen dein Gelock.

Selig, wie entzückte Wonneträume,

Liebeselig athmete der Hauch

Linder Lüfte durch die Myrtenbäume;

Liebestöne flüsterte der Strauch.

Und der Himmel stand in Sternenflammen;

Über deinem, über meinem Schwur

Schlug die feierliche Glut zusammen,

Die herab vom Stern der Liebe fuhr.

Unser Wandel schwebte fern, o ferne

Von dem Blick der wilden Grausamkeit;

Zeugen unsers Bundes waren Sterne,

Um uns lag der Ring der Ewigkeit.

Weg! hinweg die engen dunkeln Höhlen,

Wo das Leben sich gefangen hält!

Liebe lispelte: -- das Reich der Seelen

Ist die Erde nicht, es ist die Welt."