Beim Spinnen nächtlich sitzen

A. Deprosse

Beim Spinnen nächtlich sitzen

Zwei Mädeln ganz allein,

Ich sah ihre Äuglein blitzen

Im Mond- und Sternenschein.

Hell wie der Flachs an der Kunkel

Glänzt Einer das güldene Haar,

Der Andern Zöpfe sind dunkel

Und dunkel das Augenpaar.

Da sagt die Blonde zur Braunen

Und schämig ihr Auge lacht:

,, Laß dir in's Ohr nur raunen,

Wie schön mir geträumt in der Nacht.

Der Kunz, der gestern gegangen

Weil's ihn zum Wandern trieb,

Der küßt mir im Traume die Wangen

Und nannte mich sein Lieb.``

Da sagt die Braune zur Blonden:

,, Solch' Traumen würde mich reu'n,

Der Kunz und ich wir konnten

Im Wachen der Küsse uns freun.

Und die er mir gegeben

Hab' ich ihm nicht verwehrt,

Er liebt mich ja für sein Leben:

O! daß er bald wiederkehrt!``

Da sah ich die Blonde sich wenden,

Ihr Antlitz schnell erblich,

Sie barg es in den Händen

Und weinte bitterlich. --