Scheiden
A. Deprosse
O Herz, du mußt dich fassen,
Du hast's ja lang gewußt,
Mußt fliehen und verlassen
Die süße Liebeslust!
Wohl hab' ich jeden Morgen,
Wohl jede Mitternacht
Mit langem, bangem Sorgen
An diesen Tag gedacht.
Wie, dacht' ich, willst du's tragen,
Wenn es nun Scheiden heißt?
Wie, dacht' ich, willst du's wagen,
Wenn Herz an Herz sich reißt?
Nun ist der Tag gekommen,
Daß ich von dannen muß,
Der Abschied wird genommen
Mit einem flücht'gen Kuß.
Kein Wörtchen wird gesprochen,
Wir schaun uns ins Gesicht:
O Herz, was soll dies Pochen!
Herz, warum brichst du nicht?