Die Nacht

A. Diepenbrock

Ringsum ruhet die Stadt; still wird die erleuchtete Gasse,

Und, mit Fackeln geschmückt, rauschen die Wagen hinweg.

Satt gehn heim, von Freuden des Tags zu ruhen die Menschen,

Und Gewinn und Verlust wäget ein sinniges Haupt

Wohlzufrieden zu Haus; leer steht von Trauben und Blumen

Und von Werken der Hand ruht der geschäftige Markt.

Aber das Saitenspiel tönt fern aus Gärten; vielleicht daß

Dort ein Liebender spielt, oder ein einsamer Mann

Ferner Freunde gedenkt und der Jugendzeit; und die Brunnen,

Immerquillend und frisch, rauschen am duftenden Beet,

Still in dämmriger Luft ertönen geläutete Glocken,

Und der Stunden gedenk rufet ein Wächter die Zahl.

Jetzt auch kommet ein Wehn und reget die Gipfel des Hains auf,

Sieh!, und das Ebenbild unserer Erde, der Mond

Kommet geheim nun auch, die Schwärmerische, die Nacht kommt;

Voll mit Sternen und wohl wenig bekümmert um uns

Glänzt die Erstaunende dort, die Fremdlingin unter den Menschen

Über Gebirgeshöhn traurig und prächtig herauf.