Hymne an die Nacht No. 5

A. Diepenbrock

Gehoben ist der Stein --

Die Menschheit ist erstanden --

Wir alle bleiben dein

Und fühlen keine Banden.

Der herbste Kummer fleucht

Vor deiner goldnen Schaale,

Wenn Erd und Leben weicht

Im letzten Abendmahle.

Zur Hochzeit ruft der Tod --

Die Lampen brennen helle --

Die Jungfraun sind zur Stelle --

Um Oel ist keine Noth --

Erklänge doch die Ferne

Von deinem Zuge schon,

Und ruften uns die Sterne

Mit Menschenzung' und Ton.

Nach dir, Maria, heben

Schon tausend Herzen sich.

In diesem Schattenleben

Verlangten sie nur dich.

Sie hoffen zu genesen

Mit ahndungsvoller Lust --

Drückst du sie, heilges Wesen,

An deine treue Brust.

So manche, die sich glühend

In bittrer Qual verzehrt

Und dieser Welt entfliehend

Nach dir sich hingekehrt;

Die hülfreich uns erschienen

In mancher Noth und Pein --

Wir kommen nun zu ihnen

Um ewig da zu seyn.

Nun weint an keinem Grabe,

Für Schmerz, wer liebend glaubt,

Der Liebe süße Habe

Wird keinem nicht geraubt --

Die Sehnsucht ihm zu lindern,

Begeistert ihn die Nacht --

Von treuen Himmelskindern

Wird ihm sein Herz bewacht.

Getrost, das Leben schreitet

Zum ewgen Leben hin;

Von innrer Glut geweitet

Verklärt sich unser Sinn.

Die Sternwelt wird zerfließen

Zum goldnen Lebenswein,

Wir werden sie genießen

Und lichte Sterne seyn.

Die Lieb' ist frey gegeben,

Und keine Trennung mehr.

Es wogt das volle Leben

Wie ein unendlich Meer.

Nur Eine Nacht der Wonne --

Ein ewiges Gedicht --

Und unser aller Sonne

Ist Gottes Angesicht.