Rauscht nirgend mir ein grüner Wald

A. Dietrich

Rauscht nirgend mir ein grüner Wald,

Darin ich rasten mag?

Das wär' mein trauter Aufenthalt

Den langen Sommertag.

Ach, nur in holder Grüne Bann

Noch einmal, oder nie,

Find ich, die mich so hold umspann,

Die Kindheit, die so bald entrann,

Verklung'ne Melodie!

Hoch gebt um mich des Lebens Flut!

Was lockt ihr Zauberschein?

Wer nicht an treuem Herzen ruht,

Ist auch im Schwarm allein.

Vor meinem Augen blaut die See;

Doch spült aus meinem Sinn

Sie weg das Unvergeßliche?

Sie lenkt in's Unermeßliche

Mein Sehnen fernehin.

O, wiegte wieder, wie einmal,

Nur eine gold'ne Stund'

Am Waldsee mich, im Schattenthal,

Ein kühler Bergesgrund!

Wenn Sehnsucht in die Weite fliegt,

Im Grünen ruht sie bald.

Da sinkt die Schwing' ihr, traumbesiegt,

Mit grüner Schranke hold umschmiegt

Das Herz der Tannenwald.