Waldruhe
A. Dietrich
Dort wo die Linde uns Schatten beut,
in dem raschelnden blättrigen Grund,
am Giessbach dort, da stehen verstreut
viel Blumen weiss und bunt.
Da komm und lege dich, trauter Gesell,
mit mir zu erquickender Rast,
durch die zweige blickt der Himmel hell,
und die Amsel singt vom Ast.
O labende Ruh! Mit den Gliedern dehnt
sich weit und weiter das Herz,
dahin ist Alles, was ich ersehnt,
die Erdenlust und der Schmerz.
Ich fühle nur, und ich athme entzückt,
und alles Gedenken flieht,
es ist, als ob die Seel entrückt,
mit der Luft und den Wellen zieht,
als wäre die Erde rings um mich
mein eigen Fleisch und Blut,
o kühlender Wind, wie wonniglich
verscheuchst du der Wangen Glut.
Ist das mein Blut, was so klopft und klingt,
oder ist's der enteilende Quell?
ist das der Himmel, der so blinkt
oder ist's dein Auge hell?
Leg' nur dein Haupt an meine Brust,
du Guter, und schlaf' ein,
nun still, kein Wort! o sel'ge Lust,
so nah' den Göttern zu sein.