Graf Essex an die Königin Elisabeth
A. Droste-Hülshoff
Mein dunkles Haar färbt altersgrau die Zeit.
O Zeit, wie schnell! o Schnelle sonder Gleichen!
Die Jugend müht sich Alter zu erreichen,
Den Weg zurück nimmt keine Sterblichkeit;
Sieh Jugend, Anmuth, Schönheit bald verblüh'n:
Gehorsam, Lieb' und Treue bleiben grün.
Den Bienen sey mein Helm als Wohnsitz kund,
Statt Minnelieder müssen Psalmen tönen,
Die Kniee spät zu beugen sich gewöhnen
Und bethen lerne noch des Greises Mund;
Komm ich, o Hütte, gleich vom Hof' zu dir,
So bring' ich doch ein reines Herz mit mir.
Nie dank' ich meiner Königinn genug,
Ich will um mich die Schäfer singen lehren:
"Gesegnet sind, die meine Fürstinn ehren!
Und ihre Feinde trifft des Himmels Fluch."
Herrinn! verleih' dies Loos dem alten Mann,
Daß Dir als Hirt der Ritter dienen kann.