Indisches Brautlied

A. Droste-Hülshoff

Nahandovah! schöne Nahandovah!

Horch! es ruft der Vogel der Nacht!

Und der Mond erglänzt am Himmel,

Meine Locke trinkt den Thau der Nacht,

Naht die Stunde! was kann noch dich hindern?

Nahandovah! meine Nahandovah!

Fertig ist das Lager, das aus Blättern

Und aus duft'gen Blumen ich bereitet,

Würdig ist es deiner süßen Reize,

Nahandovah! meine Nahandovah!

Und sie naht! das schwere Athmen hör ich,

Das der rasche Gang hervor bringt, höre

Schon das Rauschen ihres Kleides wieder,

Das die zarten Glieder hüllt, ja! sie ist es!

Nahandovah! meine Nahandovah!

Odem schöpfe! meine süße Freundin!

Ruhe aus auf meinem Schooß, wie freundlich

Ist dein Blick, wie lieblich glüht die Wange!

Sanft gekoßt von meiner Hand. Und du lächelst!

Nahandovah! meine Nahandovah!

Deine Küsse brennen durch die Seele,

Mir entflammt dein Kosen wild die Sinne,

Ha! ich sterbe! stirbt man denn vor Wonne?

Nahandovah! meine Nahandovah!

Wie der Blitz verschwinden die Minuten,

Leiser wird dein Odem schon, es schließen

Deine feuchten Augen sich, die Lust

Verschwimmt in mattes Schmachten, und du senkst

Sanft dein Köpfchen, sanft dein reitzend Köpfchen,

Nahandovah! meine Nahandovah!

О wie süß ist Schlaf im Arm der Liebe,

Aber nicht so süß als solch Erwachen,

Weh! du scheidest! bis zum Abend muß ich

Harren nun, in Qual und Sehnsucht hier,

Doch du kehrst gewiß am Abend wieder,

Nahandovah, meine Nahandovah!