Lied der Königin Elisabeth

A. Droste-Hülshoff

Ich gräme mich und darf den Gram nicht zeigen,

Ich lieb' und meine Augen sprechen Haß,

Ich bin -- nie soll die Welt erfahren, was;

Mein Herz spricht laut, und meine Lippen schweigen,

Ich bin nicht ich, und Gram und Lust zerstört

Mein Innres ganz, was sich nur halb gehört.

Mich läßt der Kummer nicht, ob ich ihn scheue,

Wie seinem Schatten keiner noch entrann:

Er liegt und steht mit mir; was ich begann,

Verkehrt sich schnell in bitt're Frucht der Reue;

Nie werd ich seinem Schlangenbiß entrückt,

Bis ihn mein gänzlich Enden unterdrückt.

Beseliget hinfort mich, sanft're Triebe,

Denn ich bin mild und leicht erweichter Schnee;

Doch strahlet mir kein Glanz aus jener Höh,

Dann raffe mich nur schnell hinweg, o Liebe,

Damit mein Leben dieser Qualen frei.

Mein Tod Vergessenheit der Liebe sei.