Mein' Freud' möcht ich wohl mehren
A. Droste-Hülshoff
Mein' Freud' möcht' ich wohl mehren,
Wollt' Glück mein Helfer sein,
Glück muß mich ernähren
Und wend' mein' heimliche Pein;
Ich hatt' mir auserlesen
Ein adeliges Weib;
Gen ihr steht all mein Wesen,
Ich kann ohn' sie nit g'nesen.
Das machet ihr stolz Leib.
Laß dich doch überwinden,
Viel edle Fraue mein,
Allein kannst Du mich binden
Mit werther Minne rein.
Mach', daß mein Will' ergange,
Den Du mir hast entschlan;
Leb' ich darnach noch lange,
So bin ich doch im Twange,
Gen Dir in Lieb' zu stahn.
Herz, Sinn und Muth bekränket,
O zarte Fraue mein,
Daß sich Dein Lieb' nit senket
Gen mir, das könnte sein;
Deine Liebe ist gar kleine,
Wenn es die Welt entgilt,
Zart, edle Fraue reine.
Wenn Du bist mein alleine,
Desto baß Dich mir empfilt.
Groß' Lieb' ist eine Sache,
Sprach da die Fraue werth,
Die mir viel Schaden machet,
Und mir das Herz versehrt;
Doch muß den Tag ich sorgen
Des Klaffers arge List;
Laß uns darauf nit borgen,
Spar uns dasselbige morgen,
So Du voll Arg nit bist.