Die Rosen blühten, du stilles Kind

A. Fielitz

Die Rosen blühten, du stilles Kind,

zum ersten Male. Wir waren

im Garten allein, es spielte der Wind

mit deinen goldbraunen Haaren.

Und eine Locke flog leicht zurück,

ich haschte sie, als wir gingen,

da war es, als hielt ich das Glück, das Glück

fest an den goldnen Schwingen.

Da glaubt ich, es bliebe nun immerdar

mein eigen, was ich genommen,

es würde mein Leben sonnenklar -

wie ist es anders gekommen.

Ein Junitag nun wieder lacht,

ein Tag voll Duft und voll Schimmer,

die Rosen blühn in tiefer Pracht,

doch du gingst fort für immer.

Der Stern des Glücks versank im Land,

und über den Hoffnungsmüden

zog eine schmale Nonnenhand

betend ein Kreuz im Süden.