Tizian

A. Fries

Gianino

Mir wars, als ginge durch die blaue Nacht,

Die atmende, ein rätselhaftes Rufen.

Und nirgends war ein Schlaf in der Natur.

it Atemholen tief und feuchten Lippen,

So lag sie, horchend in das große Dunkel,

Und lauschte auf geheimer Dinge Spur.

Und sickernd, rieselnd kam das Sterngefunkel

Hernieder auf die weiche, wache Flur.

Und alle Früchte, schweren Blutes, schwollen

Im gelben Mond und seinem Glanz, dem vollen,

Und alle Brunnen glänzten seinem Ziehn.

Und es erwachten schwere Harmonien.

Und wo die Wolkenschatten hastig glitten,

War wie ein Laut von weichen, nackten Tritten...

Leis stand ich auf – ich war an dich geschmiegt –

Er steht erzählend auf, zu Tizianello geneigt

Da schwebte durch die Nacht ein süßes Tönen,

Als hörte man die Flöte leise stöhnen,

Die in der Hand aus Marmor sinnend wiegt

Der Faun, der da im schwarzen Lorbeer steht

Gleich nebenan, beim Nachtviolenbeet.

Ich sah ihn stehen, still und marmorn leuchten;

Und um ihn her im silbrig-blauen Feuchten,

Wo sich die offenen Granaten wiegen,

Da sah ich deutlich viele Bienen fliegen

Und viele saugen, auf das Rot gesunken,

Von nächtgem Duft und reifem Safte trunken.

Und wie des Dunkels leiser Atemzug

Den Duft des Gartens um die Stirn mir trug,

Da schien es mir wie das Vorüberschweifen

Von einem weichen, wogenden Gewand

Und die Berührung einer warmen Hand.

In weißen, seidig-weißen Mondesstreifen

War liebestoller Mücken dichter Tanz,

Und auf dem Teiche lag ein weicher Glanz

Und plätscherte und blinkte auf und nieder.

Ich weiß es heut nicht, obs die Schwäne waren,

Ob badender Najaden weiße Glieder,

Und wie ein süßer Duft von Frauenhaaren

Vermischte sich dem Duft der Aloe...

Und was da war, ist mir in eins verflossen:

In eine überstarke, schwere Pracht,

Die Sinne stumm und Worte sinnlos macht.