Minnelied

A. Fuchs

Der Sternenhimmel liegt über der Welt,

Die Bäume flüstern im Winde,

Da schleichen Zwei durch's thauige Feld

Unter die grünende Linde.

"Otfried, bist du's?" ""Gerlind, bist du's?""

So fragen die Zwei mit Bangen,

Dann ist in einen seligen Kuß

All ihre Antwort zergangen.

"Bei Gott, wenn es mein Vater wüßt',

Er thäte mich morgen bannen."

""Und wüßt' es der meine, wie hold du mir bist,

Ich müßte heut' noch von dannen.""

Sie neigte zurück ihr goldiges Haupt,

Er faßt es mit beiden Händen:

"So laß uns drum zu dieser Frist

Das Leid in Wonne wenden!"

"Die Vöglein und die Veigelein

Sind alle schlafen gegangen,

Dieweilen wir so traut allein

Am Hals einander hangen."

Und unter der Linde tiefem Dach

Saßen die Beiden nieder,

Nur manchmal klang fernes Rüdengebell --

Und todtenstille ist's wieder.

So warden Zwei in stiller Stund'

Einander ganz zu eigen,

Die alte Linde, sie deckt ihr Glück --

Sie deckt es mit Grün und -- Schweigen!