Notturno

A. Fuchs

Heimwärts ging der letzte Beter

Von dem Bild der lieben Frau;

Nur noch selten fliegt ein später

Nachen durch das Wogenblau;

Sommerliche Lüfte holen

Aus dem Kelche der Violen

Düfte, heiß und atemschwer,

Und auf weißer Lilien Spitzen

Hüpfen, gleich verirrten Blitzen,

Rote Flammen hin und her.

Siehe! und Johanniskäfer

Schweben leuchtend durch die Nacht;

Glaub' mir, Kind, es sind für Schläfer

Solche Stunden nicht gemacht!

Lud in solcher Nacht Juliette

Doch zur trauten Minnestätte

Den geliebten Romeo,

Und sie kosten Wang' an Wange,

Bis beim Lerchen-Frühgesange

Er aus ihren Armen floh!

Leicht empor auf die Terrasse

Schwing' ich mich aus meinem Boot;

Komm! und auf dies sehnsuchtblasse

Antlitz breite neues Rot!

Laß uns ruhn im sanftverwirrten

Dickicht von Jasmin und Myrten.

Wo sich Zweig mit Zweig verschlingt

Und kein Licht, das uns verrate,

Nur der flammenden Granate

Schimmer aus dem Laube dringt!