Seerosen

A. Fuchs

Lautlos lauscht die Mitternacht

Über Wald und Wellen,

Und die Weiden wehen sacht

An die Uferstellen.

Leiser Lichtschein zittert auf,

Dämmerhaftes Fließen,

Und es zieht der Mond herauf,

Schimmer auszugießen.

Silberstrahlen in den See

Senkt er, in das Dunkel:

Es erwacht die Wasserfee

Von dem Lichtgefunkel.

Eine fremde Melodie

Weht durch Wind und Wellen --

Singt die Nixe, singen sie

Tief verborgne Quellen?

Das geheimnisvolle Weib

Wiegt die weißen Glieder,

In die Tiefe taucht ihr Leib

Und erhebt sich wieder.

Mondenstrahlen fängt sie auf,

Ballt und bläst sie leise

In die helle Nacht hinauf

Durch die Wellenkreise --

Morgens schwimmen auf den See,

Von der Flut gehoben,

Tausend Rosen weiß wie Schnee,

Mondenglanz-gewoben.