Der Verführer
A. Hammerschmidt
Ich lieb an allen Ort und Enden,
Ich ändre mich oft und geschwind.
Ein jeder Schwur, den ich anwende,
Führt mit sich hin der leichte Wind.
Die Tränen, die auf meinen Wangen
Ihr samt den falschern Seufzern schaut,
Sind Netze, damit die zu fangen,
Die meinem Wort und Eide traut.
Euch, Cloris, ich zwar nicht vernichte,
Und eure Schönheit ich nicht haß',
Behaltet euer schön Gesichte,
Drauf ich euch meine Freiheit laß.
Drum laßt uns lieben ungezwungen,
So bin ich euer mehr als mein.
Wird aber auf Bestand gedrungen,
So kann ich nicht euer sein.