Ermunterung zur Freude
A. Harder
Genießet des Lebens,
ihr Freunde, genießt!
Dass ja nicht vergebens
ein Tropfen verfließt!
Umfasset die Freude,
sie bietet sich dar
im festlichen Kleide,
mit Blumen im Haar.
Ein Wuch'rer verüble
mir Freiheit und Luft,
der rechne und grüble
mit keuchender Brust,
er knick' und erwerbe
sich fürstliches Gut,
das nächstens der Erbe,
sein spottend, vertut.
Ha, hört ihr ertönen
die volle Musik,
uns winket der Schönen
bedeutender Blick;
auf, hurtig die Stirnen
mit Kränzen umlaubt
und unter den Tänzen
brav Küsse geraubt!
Komm, Schönste der Braunen,
aufs Sofa zu mir,
doch weg jetzt mit Launen
und sprödem Gezier'!
Verlache die Blonde,
die siegwartisiert
und zärtlich dem Monde
eins vorlamentiert.
Uns tobet Verlangen
in Augen voll Glut,
uns strotzen die Wangen
vom siedenden Blut.
Auf, lass mich genießen!
Genieße mit mir!
Wozu als zum Küssen
sind Sterbliche hier?