Nachtfantasie

A. Harder

Wann die Nacht schon im Gefild

still und feiernd waltet

und manch süßes Traumgebild

Schlummernden entfaltet,

sitz' ich einsam oft und wach,

denke meinem Schicksal nach.

Bin ich nicht das Gaukelspiel

ungestümer Wogen?

Oft im Auge schon das Ziel

ward ich fortgezogen,

hingeschleudert, statt zu nah'n

auf dem wilden Ozean.

Wann, ach wann gewährst du mir

mein bescheid'nes Sehnen?

Wann, o Himmel, dank' ich dir

unter Freudentränen?

Wann gelingt mir's, nicht zu ruh'n,

nein, des Guten mehr zu tun?

Plötzlich am gewölbten Zelt

blickt des Vollmonds Schimmer

durch die Wolken und erhellt

mein vertrautes Zimmer.

Rings umglänzt mich Sternenpracht,

und zum Tage wird die Nacht.

Da, da fliegt mein Blick empor

zu den lichten Höhen,

ud ich hör' im Sphärenchor

eine Stimme wehen:

Banges Herz, sei wohlgemut,

alles, alles wird noch gut!