Der Sommerabend

A. Horn

Der Sommerabend schauet

So still auf's Erdenreich,

Tiefer der Himmel blauet,

Des Westens Rot wird bleich.

An den Bergen verglühet

Der goldne Abendschein,

Still heimlich rauschend ziehet

Drunten der tiefe Rhein.

Es duften Reben und Rosen

Um das freundliche Haus,

Liebliche Mädchen kosen

Von dem Balkon heraus.

Sie ringen und umschlingen,

Sich spielend Brust an Brust,

Saiten und Lieder erklingen,

Und wecken verschollene Lust.

Ich wandle auf und nieder

Mit meinem seligsten Traum;

Verklungen sind längst die Lieder,

Ich weiss es selber kaum.

Und wie ich erwache, dunkelt

So gross mich an die Nacht,

Der Himmel sterndurchfunkelt,

Die Berge in ruhiger Pracht.