Morgenlied

A. Horn

Süße Morgenlüfte wehen

Auf dem Feld, auf bunter Au',

Und auf jeder Blume stehen

Glänzend schön die Tröpfchen Thau.

Da durchbricht mit gold'nem Scheine

Sonnenglanz das Nebelmeer,

Von den Blumen bleibt wol keine

Ungetrocknet, thränenschwer.

Ach, an jedem lieben Morgen

Ist mein Auge thränenfeucht,

Hab' es nie dem Tag verborgen,

Der so Vieler Schmerz verscheucht.

Alles strahlt in Frühlingswonne,

Grüßet froh den jungen Tag -

Kommst Du niemals, holde Sonne,

Die mein Augen trocknen mag?