Abendruhe

A. Hüttenbrenner

Der Mond scheint klar und helle,

Am Strome wiegt mein Kahn,

Es eilt die Silberwelle

Nach ferner Meeresbahn;

Die Luft war lau und stille;

Der Wind, der atmet kaum,

Vom Ufer summt die Grille

Ihr Lied durch Strauch und Baum.

Am Kahn die Wellen schlagen,

Hell tönt der Wogensang,

Und Nachtigallen klagen

Vom grünen Waldeshang;

Die Blumen aber lauschen

Und senken schlummermüd

Beim leisen Wogenrauschen

Das zarte Augenlid.

Die Seele wonnetrunken

Drin hört den Rundgesang.

Der Mond war längst versunken,

Wie es vom Wasser klang;

Des Stromes Wogen riefen:

So wieget die Natur,

Als Halm und Blumen schliefen,

Die Kinder ihrer Flur.