Das Kloster

A. Hüttenbrenner

Wo dort im Tale die Linden stehen,

Die Linden, so hoch und breit

Ist einsam und grau zu sehen

Ein Kloster aus alter Zeit.

Da weht aus Gängen und Hallen

Es einen gar kühlig an,

Gar kühl und schaurig vor allen

Vom Kirchlein nebenan.

Da spielt so lieblich die Sonne

Durchs Fenster rosig und blau,

Da liegt eine junge Nonne

Im schwarzen Sarge zur Schau.

Am Haupte den weißen Schleier,

Den Kranz von Rosmarin,

So lächelt in stiller Feier

Sie friedlich vor sich hin.

Ein schöner trauriger Ritter

Kniet außen am Schwellenstein,

Und breitet durchs Pfortengitter

Die Arme weinend hinein.

Er sieht sie verschließen und tragen

Ins Gruftgewölbe hinab,

Kann nicht einmal knieen und klagen

Und weinen auf ihrem Grab.