Liebhabers Wünsche

A. Hüttenbrenner

Möchte gern ein Maler sein,

Malte nur ein Bild allein,

Rosenknosp´ im Blütenmai,

Meines Liebchens Konterfei.

Möchte gern ein Bildner sein,

Formte Liebchen ganz allein,

Psychens Wuchs und Ledas Brust,

Himmelswonne! Edens Lust!

Möchte gern ein Sänger sein,

Sänge nur ein Lied allein,

Sänge nur zu Liebchens Preis,

Liebestrunken, liebesheiß.

Aber wie, da fällt mir ein,

Möchte erst kein Maler sein,

Nimmer brächte meine Hand

Liebchens süßen Blick zustand´.

Auch als Bildner ging´s mir so,

Würde nie des Werkes froh,

Liebchens Wuchs und Angesicht,

Formt Canovas Meißel nicht.

Und als Sänger wär´s nur gar

Zehnmal schlimmer noch fürwahr,

Denn auf Erden tut kein Mund

Liebchens Huld und Tugend kund.

Eines aber möchte´ ich sein,

Eines wahrlich ganz allein,

Nun, was glaubt ihr? Seht mich an,

Ei, ich dächte: Liebchens Mann.

Mit dem Malen ging´ es schwer,

Mit dem Formen nimmermehr,

Mit dem Singen stünd´ es schlecht,

Aber lieben könnt´ ich recht.