Barthram's Grablied
A. Jensen
Sie schossen ihn todt am Neunsteinberg,
Wo das Kreuz steht neben der Brück',
Und sie ließen ihn liegen in seinem Blut,
Mit der Kugel im Genick.
Sie machten von Zweigen eine Bahr',
Von der grauen Esp' am Hag;
Und sie trugen ihn still zur Frauenkavell',
Und sie wachten den ganzen Tag.
Eine Dame kam zur Frauenkapell',
Sie zerriß ihr prächtig Kleid,
Sie zerriß ihr lieb lang gelbes Haar,
Und kniet' an Barthram's Seit'.
Sie wusch ihn in der Jungfrau Quell,
Seine Wunden wusch sie klar;
Und sie flocht einen Kranz für seine Brust,
Einen Kranz auch für sein Haar.
Sie thaten ihn in ein schneeweiß Tuch,
Und sie trugen ihn zur Stell',
Und die grauen Mönche sangen die Meß,
Als sie ließen die Kapell'.
Sie begruben ihn um Mitternacht,
Als der Thau fiel still und kalt,
Als der Espe Blatt zu zittern vergaß,
Und der Nebel zog geballt.
Sie gruben sein Grab einen Fuß nur tief,
Wo die Quelle plätschert laut,
Und sie deckten ihn zu mit Haideblüth',
Mit Moos und Farrenkraut.
Ein grauer Bruder stand am Grab
Mit Flehn und mit Gebet,
Und ein Mönch wird singen für Barthram's Seel',
So lange das Steinkreuz steht.