Der letzte Wunsch

A. Jensen

Eil' in des Waldes Ruh',

Suche den Hügel du,

Wo, schwer von süßem Thau, die Veilchen liegen;

Schimmernd durch's Waldgesträuch,

Augen voll Schlafes gleich, --

O, laß sie bald an meine Brust sich schmiegen!

Brich sie mir, keins laß stehn;

Laß um mein Todbett wehn

Ein Wehn des Mai's, ein Wehn aus Waldesthalen;

Denn ach, mit Trauern nur

Scheid' ich von Wald und Flur,

Gern weilt' ich länger in der Sonne Strahlen!

Bliebe bei dir gern noch!

Weh, nicht vermag ich's! -- Doch

Bring' an mein Lager froh'rer Stunden Zeugen!

Geh', wo ein dämmernd Licht

Grün durch die Blätter bricht,

Und auf der Quelle zittert unter Zweigen!

Kalt ist und klar die Fluth;

Ach, und ich weiß noch gut,

Wie feuchte Lilien nickend sie umspielen;

Geh' an des Stromes Bord;

Flüsterndem Schilfe dort

Nimm sie, mein Haupt, mein fiebernd Haupt zu kühlen!

Dann, wie zu bess'rer Zeit,

Geh' durch die Einsamkeit

Des alten Gartens, grün von Laub und Moose:

Dort, ihrer Blätter Schnee

Streu'nd auf des Rasens Klee,

Steht einsam trauernd eine weiße Rose.

Tauben umgirren sie

Bienen umschwirren sie,

Der alten Linde Wehn umrauscht sie trübe;

Brich mir zwei Blumen dort;

Zwei: -- denn es ist der Ort,

Wo wir zuerst uns sagten unsre Liebe!

Geisblatt dann hole mir;

Hol's von der Gitterthür;

Hol's von der Hütte, die ich jüngst dir zeigte,

Als wir am Waldesrund

Wandelten Hand in Hand,

Geführt von des Johanniswürmchens Leuchte!

Bring' mir, o, bring' den Strauß!

Breit' ihn auf's Kissen aus --

Komm, daß ich zitternd jede Blume fasse!

Laß sie mir Traum verleih'n;

Träumend ist Alles mein:

Lenz, Jugend, Leben -- Alles, was ich lasse!

Und wenn du fragst, warum

Ich dich im Thal herum

Und an des Stromes waldig Ufer schicke:

'S ist, daß in deinem Sinn,

Wenn ich geschieden bin,

Dir mein Gedächtniß jede Stätte schmücke!

In den Gebüschen dicht

(O, brich den Zauber nicht!)

Da will ich ewig, daß mein Bild dir glänze!

O mein Geliebter, nie,

Wo wir gewandelt, zieh',

Vergessend sie, die starb in ihrem Lenze!