Die Schwestern

A. Jensen

Wir waren zwei Töchter aus einem Haus;

Sie war die Schönste, sie stach mich aus.

Wie weht der Wind über Turm und Höh'n!

Sie fiel, er war ein stattlicher Mann;

Ich meine, die Rache stand wohl mir an!

O, der Earl war schön zu seh'n!

Sie starb, sie ging in die ewige Glut;

Sie mischte mit Schmach ihr altes Blut.

Wie heult der Wind über Turm und Höh'n!

Ganze Wochen und Monde, Tag und Nacht,

Seine Lieb' zu gewinnen war ich bedacht:

O, der Earl war schön zu seh'n!

Ich gab ein Fest, er war beim Schmaus;

Ich gewann seine Lieb', ich bracht' ihn nach Haus.

Wie brüllt der Wind über Turm und Höh'n!

Und nach dem Essen, die Kleider los,

Da legt' er sein Haupt in meinen Schoß:

O, der Earl war schön zu seh'n!

Seine schwarzen Wimpern küßt' ich zur Ruh';

Auf meiner Brust, da schloß er sie zu.

Wie wütet der Wind über Turm und Höh'n!

Ich haßte ihn mit der Hölle Haß,

Aber seine Schönheit gefiel mir baß:

O, der Earl war schön zu seh'n!

Aufstand ich in der stillen Nacht;

Blank hab' ich und scharf meinen Dolch gemacht.

Wie rast der Wind über Turm und Höh'n!

Halb im Schlafe lag er -- kein Laut in der Burg!

Da stieß ich ihn dreimal durch und durch:

O, der Earl war schön zu sehn!

Ich kämmt' und lockte sein schönes Haar;

Er sah so groß, als er tot nun war.

Wie weht der Wind über Turm und Höh'n!

In ein Bahrtuch hüllt' ich den toten Mann,

Seiner Mutter zu Füßen legt' ich ihn dann:

O, der Earl war schön zu seh'n!