Es rauben Gedanken
A. Jensen
Es rauben Gedanken
Den Schlaf mir, o Mutter,
Kommen und wecken mich,
Kommen und gehn!
Trauergedanken
Von Freudentagen;
Aufdämmern die Plagen,
Die Freuden versanken.
Die Träume jagen
Vorüber, o Mutter,
Kommen und wecken mich,
Kommen und gehn.
Es wird mein Bette
Dem Kampf zur Wiege,
Dem bösen Kriege
Zur friedlosen Stätte,
Von Schatten ich liege
Geängstet, o Mutter,
Kommen und wecken mich,
Kommen und gehn!
Stets mir im Blicke
Die Thränen beben,
Beweinen mein Streben
Nach falschem Glücke.
Bald sterben, bald leben
Meine Qualen, o Mutter,
Kommen und wecken mich,
Kommen und gehn!
O Traum der Lust,
Bei dessen Scheiden
Erwacht das Leiden
Der wunden Brust!
Ins Leben schneiden
Die Qualen, o Mutter,
Kommen und wecken mich,
Kommen und gehn!