Im Schlosshof

A. Jensen

Im Schloßhof duftet die Linde,

Da kos' ich um Mitternacht

Mit meinem lieblichen Kinde

In schweigender Mondespracht.

Sind Alle zur Ruh' gegangen,

Kommst du bei Sternenschein;

Wo Blüten leuchten und prangen,

Sitzen wir ganz allein.

Die Männer und Frau'n, sie schlummern,

Kein Lauscher ist ringsherum;

Das Schloß, der Weiher, die Blumen,

Sind unser Eigenthum.

Die Sterne vor Freuden wachen,

Die Lüfte schlummern nicht ein,

Weil nun die Liebe regieret,

Die Liebe ganz allein.

Die Blumen heben in Wonne

Lauschend ihr Angesicht:

Im Traum der springende Bronnen

Von unserem Glücke spricht;

Und horch, wo im Mondesflitter

Das Häuschen schimmert am See,

Kennt eine verspätete Zither

All' unser süßes Weh'.