Klage der Grenzerwittwe
A. Jensen
Mein Liebster baut' eine Laube mir,
Rundum bepflanzt mit Lilien schier;
Eine schön're habt ihr nie geschaut,
Als die mein Liebster mir gebaut.
Um Mittag war's, da kam ein Mann,
Späht' aus sein Wild, und ging sodann;
Führt' her den König drauf zu Nacht,
Der meinen Ritter umgebracht.
Er bracht' ihn um, ich sah sein Blut;
Er bracht' ihn um, und nahm sein Gut;
Meine Diener flohn, mein Herr war todt,
Ich blieb allein in meiner Roth.
Ich flocht mein Haar, und hüllt' ihn ein;
Hielt Leichenwacht, ich selbst allein;
Hielt Leichenwacht, o Wacht voll Gram;
Keine Seel' war, die des Weges kam.
Ich nahm seine Leich', und trug sie fort
Zuschritt ich hier, ausruht' ich dort;
Ich grub ein Grab, drin legt' ich ihn,
Und deckt' ihn zu mit Rasen grün.
O, denkt ihr nicht, mein Herz war voll,
Als auf sein Haar ich warf die Scholl';
O, denkt ihr nicht, mein Herz war schwer,
Als ich mich wandte, fortzugehn?
Nun lieb' ich Keinen mehr fortan,
Seit todt mein süßer Rittersmann;
Mit einer Lock' von seinem Haar
Bind' ich mein Herz für immerdar.