Gluten

A. Khom

In gold'ner Morgensonne

seh' ich dich am Balkone

wie eine Fee so schön

in mildem Glanze steh'n;

die dunklen Locken fluten

um deiner Wangen Gluten,

und in die blaue Ferne

wie zweier schönen Sterne

strahlt deiner Augen süßes Licht.

So schön war Molly Laura nicht!

Ich sehe dich so rein,

und glühendes Verlangen

mit bittersüßem Bangen

schleicht mir ins Herz hinein.

Ich fleh' hinauf zu dir:

Nur einen Blick gib mir!

Doch ach, du hörst mich nicht.

Du nimmst die helle Laute

und rührst die Saiten traute,

entlockend weichen Klang

wie Nachtigallgesang;

d'rein wallen göttlich schöne,

bezaubernd süße Töne

voll Liebe und voll Lust

aus deiner reinen Brust.

Da fasst gewaltig es mein Herz,

weiß nicht, ist's Wonne oder Schmerz.

Es fasst allmächtig mich,

und meine Hände heben

sich auf mit leisem Beben

wie zum Gebet für dich,

dass Gott dich wahren wollt'

so schön und rein und hold.

Doch ach, du merkst es nicht!

Du betest, Seufzer schweben

aus deinem tiefsten Leben

wie frommer Harfenton

hinauf zu Gottes Thron.

Ich seh' dein Aug umflossen

und deine Stirn umgossen

von der Verklärung Strahlen,

die auf dein Antlitz fallen:

So schön sind Raphaels Engel nicht!

Da fällt's auf mich wie ein Gericht

mit furchtbarem Gewicht,

und eine Träne wallet,

in der dein Bild sich malet,

dann über mein Gesicht.

Sie bittet flehend dich:

O bete auch für mich!

Doch ach, du siehst sie nicht.