Mild und mächtiges Erbarmen
A. Knab
Mild und mächtiges Erbarmen,
Kehr die Augen von mir Armen
Doch nicht ab,
Von der Notdurft, die beklommen
Sich vom Tod fühlt hingenommen
In das Grab!
S'ist gesiegelt und gegeben:
Sterben muß einst alles Leben
Allzumal;
Was da Dauer lügt und währet,
Ob sich's stundet, ob sich's jähret,
Kommt's zu Fall.
Großer Gott, der lebt unendlich,
Hilf mir, der ich sterb elendlich;
Und dein Wort,
Das mir hat den Tod gegeben,
Helf hinwieder mir zu leben
Ewig fort.
Nun ist's düster schon und traurig,
Lästig, leidsam, abendschaurig
Hier im Tal,
Drin ich tastend niederschwanke;
Und die Lichter hell und blanke
Loschen all.
Du, der ist und war vorhanden,
Du, der sein wird, auferstanden
Aus dem Grab,
Kämpf mit mir den Kampf, Geselle,
Kämpfer, quer durch Tod und Hölle,
Laß nicht ab!
Frei mein arme Seel, o frommer
Fechter, daß sie zu dir komme
Unverschmäht,
Daß sie, dir im Schoß geborgen
Nach den bittern Erdesorgen
Ruhen geht.
Ruhen geht und Licht anschauen,
Ruhen geht und Friede bauen
In dem Land,
Da kein Auge hingekommen,
Das kein Ohr noch je vernommen,
Kein Verstand.