Der Augen Schein sein Scherz und Pein
A. Krieger
Ihr schönen Augen!
Ihr heller Glanz!
Wer wird euch taugen,
Ihr blendet ganz!
Ihr klaren Sternen
Scheint gegen mir,
Als wie von fernen
Des Himmels Zier.
Ihr blanken Fackeln,
Beleuchtet mich,
Mit holden Wackeln,
Gar innerlich.
Ihr Silberstrahlen,
Glänzt ja so sehr,
Als man kann malen
Der Sternen Heer.
Ihr güld'nen Blitze,
Tanzt auf mich zu,
Dass ich mich stütze,
Auf eure Ruh.
Ihr Augenlider,
Wenn ihr euch regt,
So hin und wieder,
Bin ich erlegt.
Ihr Sonnen, wecket
Mich wieder auf,
Ich war verstecket
Für eurem Lauf.
Ihr schnellen Boten
Der Liebeslust,
Knüpft manchen Knoten
In meiner Brust.
Ihr süßen Blicke,
Löst wiederümb,
Was eure Stricke
Geknüpft im Grimm.
Ihr Wunderkerzen,
Wie steckt ihr an,
Dass man die Schmerzen
Kaum dulden kann.
Ihr lieben Lichter,
Verblendet oft
Viel Angesichter
Ganz unverhofft.
Zünd't an, ihr Flammen,
Gleich alle Welt,
Lasst nur beisammen,
Was mir gefällt.
Zwar viel zu wenig
Bin ich für euch,
Wär ich schon König
Und hätt' ein Reich.
Wiewohl ich brenne
In voller Glut
Und fühl' und kenne
Mein armes Blut.
Was kann ich machen?
Das Venuskind
Durch euer Lachen
Mich so entzünd't.
Ich bin geboren
Zur Sterblichkeit
Und ganz verloren
Bei dieser Zeit.
Weil ich muss lieben,
Was göttlich ist,
Wie soll ich üben
Die süße List?
Ich muß vergehen
Durch ihren Strahl,
Ich kann kaum stehen
In meiner Qual.
Wie will es werden,
Wenn mich so fort
Auf dieser Erden
Die Lieb ermord't.
Ich kann nicht sehen,
Wie mir hierbei,
Es mag geschehen,
Zu helfen sei.
Denn wer an Götter
Sich hat vergafft,
Wird als ein Spötter
Dahin gerafft.
Nun, soll ich sterben,
So hab ich doch,
Für allen Erben,
Den Vorzug noch,
Dass um was Göttlich's
Ich fort gemusst,
Und nicht was Spöttlich's
Erstickt die Brust.
Drumb ist mir's 'gangen
Wie Icaro:
Ich wollte prangen
Und sterbe so.