Der Liebsten Herz, macht Scherz und Schmerz

A. Krieger

Soll denn mein junges Leben

Nur stets in Ängsten schweben?

Ach! ach! liebstes Herz,

Sein deine schönen Sitten

Denn gar nicht zu erbitten?

Ach! ach! hartes Herz!

Willst du mich denn nicht laben

Mit deinen hohen Gaben?

Ach! ach! köstlich's Herz!

Willst du mich nicht erfreuen?

So wird es dich gereuen.

Ach! ach! neidisch Herz.

Soll ich mich denn nur plagen

Mit lauter Angst und Klagen?

Ach! ach! niedlich's Herz!

Soll ich denn nichts als Schmerzen

Erweisen meinem Herzen?

Ach! ach! quälend Herz.

Soll ich denn nun nichts erlangen

Von deinen zarten Wangen?

Ach! ach! schönes Herz!

Willst du in meinen Nöten

Mich endlich dennoch töten?

Ach! ach! grausam's Herz!

Willst du mich nicht ergötzen

Und in die Freiheit setzen?

Ach! ach! scharfes Herz!

So muß ich dennoch sterben

Und jämmerlich verderben?

Ach! ach! zornig's Herz!

Wann ich dich ehr' und liebe,

So stellst du dich ganz trübe,

Ach! ach! grimmig's Herz!

Wenn ich mein Angst andeute,

So schielst du auf die Seite.

Ach! ach! falsches Herz!

Erbarm' dich doch, o Schöne,

Weil ich mich also sehne,

Ach! ach! süßes Herz!

Erfreu' mich doch, mein Leben,

Weil ich mich dir ergeben,

Ach! ach! stärkend Herz!

Wirst du mich nun erquicken,

Und freundlicher anblicken,

Ach! ach! lieblich's Herz!

So kann ich's noch ertragen,

Und recht mit Wahrheit sagen:

Ach! ach! treues Herz!