Der Rheinwein schafft den Sinnen Kraft
A. Krieger
Ihr fünf Sinne, kommt mit mir
Zu dem rheinischen Weine,
Lasst uns dessen göld'ne Zier
Kosten ganz alleine.
Wenn ihr fünfe seid und ich,
Wird er uns bedienen,
Dass wir können innerlich
Als die Reben grünen.
Was ist das für eine Lust,
So vergnügt zu leben,
Die der Wein kann unsrer Brust
Ganz entzückend geben.
Kommt und lasst uns fröhlich sein,
Ihr beliebten Sinnen,
Denn ihr könnt durch diesen Wein,
Was ihr wollt, gewinnen.
Erstlich pflegt es zu geschehn,
Daß er das Gesichte
Ganz erquicket, wann wir sehn,
Wie er so fein dichte
Und so schön im Glase steht.
Man kann eigend merken,
Wie sein Glanz zurücke geht,
Das Gesicht zu stärken.
Wenn man ihn einschenken hört
Und so lieblich rauschen,
Macht er einen ganz betört,
Dass man recht kann lauschen,
Als bei einer Wasserröhr'
Oder an dem Bache.
Dadurch schärft er das Gehör
Und dient wohl zur Sache.
Gleich darbei so steiget auch
Aus dem schönen Glase,
Der Geruch durch seinen Brauch
Kräftig in die Nase.
Ei, wie stärkt er das Gehirn
In erfreuten Wesen,
Dass der Schlaf und auch die Stirn
Alsobald genesen.
Der Geschmack nun kann uns recht
Allererst erquicken,
Der kann sich so schlank und schlecht,
In die Gurgel schicken,
In die Kehle gleichesfalls,
Dass bei seinen Gaben
Mancher einen Kranichshals
Wünschete zu haben.
Und darauf dann fühlet man,
Wie er unsre Glieder
Durch und durch recht stärken kann,
Wenn er hin und wieder
In die leeren Adern geht,
Und macht gut Geblüte,
Dass der Mensche recht besteht
In vollkomm'ner Güte.
Sehet nun! wie sich der Wein,
Weiß in uns zu schicken,
Dass wir ihm verbunden sein,
In gar vielen Stücken.
Kann er uns're Sinnen so
Und den Leib begraben,
Ei, so macht euch mit ihm froh,
Weil ihr ihn könnt haben.