Des Frühlings Zeit bringt Lust und Freud

A. Krieger

Komm, mein Kind, wir wollen geh'n,

Wo die Blumen, wo die Felder

Und die grünen Wiesen steh'n.

Komm, ach komm und säum' dich nicht,

Weil die beste Zeit anbricht!

Uns're Jugend wird ja so

Recht von Herzen drüber froh.

Wann der Winter wieder kömmt,

Da wird alle Lust und Freude

Durch den kalten Schnee gehemmt.

Also gehts mit unsrer Zeit,

Wann das Alter uns beschneit,

Da wird alle Zier verjagt,

Die uns sonsten hat behagt.

Komm derhalben, laß uns seh'n,

Was bei diesen jungen Jahren

Kann bei mir und dir gescheh'n!

Alles, was in dieser Welt,

Sich zu seinesgleichen hält,

Bleibet auch zu jeder Zeit

In vergnügter Fröhlichkeit.

Schau, der Himmel klärt sich auf,

Uud die Wolken nehmen schneller

Als vor diesen ihren Lauf.

Der verbuhlte Westenwind

Singt als ein verliebtes Kind,

Durch den Busch und durch den Wald,

Dass die ganze Luft erschallt.

Auch die Vögel insgemein

Wissen nun bei diesen Zeiten

Nichts, als lauter fröhlich sein.

Ihre Liebe lernen sie

Ohne sonderbare Müh',

Weil die Sonne sie erfreut

Und die ganze Welt erneut.

Sollten wir denn nun nicht auch,

Weil es uns der Himmel gönnt,

Halten unsern Liebesbrauch?

Komm, mein Kind ergötze mich,

Liebst du mich, so lieb' ich dich.

Unsre Jugend wird ja so

Recht von Herzen drüber froh.