Ihr bleibet nicht Bestand verpflichtet

A. Krieger

Mein Lieb ist weiß wie Schnee

Schön wie das Firmament:

Wie aber in der Höh,

Alsbald sich das verwend,

In dem es seine Kreyse

So rund umblauffen muß,

Nach einer solchen Weise,

Bringt auch mein Lieb Verdruß.

Wie sich der Himmel schmückt

Mit Farben umb und an,

So steht sie sonst entzückt,

Von Schönheit angethan,

Das schöne Himmelsblaue,

Führt ihrer Augen Schein,

Wann ich dieselben schaue,

So bin ich nicht mehr mein.

An ihren Wangen steht

Das rechte Morgen-Roth,

Und wann ihr Mund auffgeht,

So bin ich schon half tod,

In dem die Westen-Winde,

(So sonsten gar nicht schlimm)

Mich aber zu geschwinde

Für andern wehen üm.

Doch möcht es alles seyn,

Wann sie nur Göttlich wär

Und bliebe durch den Schein

Sie ihrer Zier und Ehr;

Nun aber weil ihr Leben,

Dem Schnee so ähnlich bleibt

So wird mir nichts gegeben

Als das, was mich entleibt.