Rinckauer Wein, der schmeckt recht rein
A. Krieger
O edler Rinckauer,
Du köstlicher Wein!
Dich trinket kein Bauer,
Du bist ihm zu rein.
Du schönes Geschöpfe,
machst mir so frisch Blut,
Wenn ich gleich nicht schröpfe,
So ist mir's doch gut.
Ihr herrlichen Trauben,
Wie seid ihr so blank,
Wenn ihr euch laßt schrauben,
So wächst mir mein Trank.
Ihr lieblichen Früchte
Erfrischt nach Gebrauch
Mein ganzes Gesichte
Und füllet den Bauch.
Ihr niedlichen Beeren,
Wie stärkt ihr die Brust,
Wenn wir euch verzehren,
Ihr scherzende Lust.
Ihr prahlenden Dinger
Seid ja wohl so schön,
Als wo sonst fünf Finger
Oft pflegen zu stehn.
Ihr steigt ins Gehirne
Und führt mit uns Krieg
Bis über die Stirne,
Ihr habet den Sieg.
Doch hat mit uns Morpheus
Ein Bündnis gemacht,
Der hilft uns, und Orpheus
Gewinnet die Schlacht.
Da rasten die Glieder
In seinem Quartier,
Drauf führt er uns wieder
Mit großer Begier
Zum Streiten, zum Treffen,
Da denkt dann der Feind
Uns also zu äffen,
Als wie er vermeint.
Drauf spricht uns der Orpheus
Ein Herze recht ein,
Bis endlich Gott Morpheus
Sich leget darein;
Sie dienen am besten
Zu unserem Streit:
Gott Morpheus den Gästen,
Und Orpheus zur Beut'.
O Vater der Trauben,
O Juch Evoë!
Du wirst mir erlauben,
Dass ich dir die See
Des Weines durchschiffe,
Weil Orpheus noch singt;
Wer weiß, wer die Süffe
Zum Morpheus heim bringt.
Ihr süßen Sirenen
Bezaubert mich nicht,
Ich möchte mich sehnen
Nach jenem Gesicht,
An das ich gedenke,
Wenn mir sich der Wein
Mit seinen Geschenke
Recht machet gemein.
Was muß sie itzt machen,
Das liebliche Bild?
Wir scherzen, wir lachen
Und scheinen 'was wild.
Ach! wenn man bedenket
Der niedlichen Brust,
So wird mir gekränket
Die Hälfte der Lust.
Weil sie mich nicht liebet,
Als wie sie wohl soll,
Das macht mich betrübet
Und oftermals voll.
Sie will mir nicht scheinen,
Sie bringt mir nur Pein,
Drum hilf mir doch weinen,
Mein rheinischer Wein.
Wenn du mich siehst gähnen,
So komme gleichfalls,
Und tu mir recht tränen
Fein tief in den Hals,
So wird sie mein Jammern
An Augen ersehn,
Wenn sie so rot flammern,
Wie weh mir geschehn.
Drum komm, mein Rinckauer,
Du köstlicher Wein:
Du wirst mir nicht sauer,
Du schmeckst mir noch fein,
Du würzest mein Leben,
Ich bin dir recht gut,
Dir bleibt auch ergeben
Mein ehrliches Blut.