Wer freundlich ist, auch gerne küßt
A. Krieger
Küssen kann uns recht verbinden,
Küssen rühret Mund und Brust,
Küssen, küssen machet Lust,
Küssen kann uns überwinden,
Küssen macht die beste Treu',
Küssen machet alles neu.
Solches merkt' ich neulich eben,
Da ich mit Betrug und List
Eine schöne Nymphe küsst'!
Ei, wie stärkte sich mein Leben,
Als ich sie so wohl berückt
Und an meinen Mund gedrückt.
Sie tat zornig und ich lachte,
Weil mein ungewaschen Maul
Sich erwiese gar nicht faul,
Sondern so behende machte,
Daß ihr zuckersüßer Mund
Gleich auf meinen Lippen stund.
O wie zappelte mein Herze!
O wie lieblich kam mir's für,
Dass ich eine solche Zier
Unverhofft im stillen Scherze
So erschlenderte fein sacht
Und um einen Kuss gebracht!
Wahr ist's, dass ich mich ergötzte,
Als mir neulich nicht gescheh'n,
Denn bei ihrem Sauerseh'n
Machte sie, daß ich mich letzte,
Weil bei ihrer Lieblichkeit,
Halber Zorn war eingestreut.
Und darüber mußt ich gehen;
Als ich nun nach Hause kam,
Und mir was zu Sinne nahm,
Konnt' ich weder geh'n noch stehen,
Sondern setzte mich gleich hin,
Ganz mit einem andern Sinn.
Saß auch eine lange Stunde,
Da ich nichts, nichts ander's tat,
Als nur mit den Füßen trat
Und mit still und stummem Munde
Stets die Lippen abgeleckt
Und mich hin und her gereckt.
Wär ich nicht verstöret worden,
Weil gleich jemand zu mir kam,
Und mich bei den Händen nahm,
Sagend: was ist das für Orden?
Säß' ich, halt' ich, noch allein,
Und beleckte mich so fein.
Schaut ihr Nymphen, solche Lippen
Seind euch worden anvertraut,
Dass fast unsre ganze Haut
Sich zerstößt an diesen Klippen;
Wo ihr aber selber wollt,
Macht ihr's feiner, als ihr sollt.
Küsst derhalben immer wieder,
Wenn euch etwan jemand küsst,
Weil ihr nichts hierbei vermisst,
Als dass eure Augenlieder
Müssen auf und niedergehn;
Küssen steht doch allzeit schön.