Wie viel Stunden hab ich wohl gezählet

A. Krieger

Wie viel Stunden hab' ich wohl gezählet,

Wie viel Tage hab' ich mich gequälet

Nur um dich, mein Lieb' und einig Leben,

Dass ich mich so weit von dir gegeben.

Wann zwei Herzen so getrennet werden,

Da erfährt man alle Pein auf Erden.

Euch, ihr Seufzer, die ich muss verschütten,

Will ich mit gepresstem Herzen bitten,

Dass ihr euch mögt durch die Lüfte wagen,

Meiner Schönen solches vorzutragen,

Wie ich ihretwegen täglich leide,

Mich entschlagend aller Lust und Freude.

O Cupido! soll ichs noch erleben,

Dass sie mir, wie vor, wird wiedergeben

Einen Kuss und ihr verliebtes Herze,

So ergeb ich billig mich dem Schmerze.

Aber schwerlich werd' ich dies erlangen,

Dass ich mög' an ihrer Seite prangen.

Doch indessen will ich immer hoffen,

Dann der Venus Gnade steht noch offen;

Wer nicht hoffet, kann auch nicht gedenken,

Dass die Liebe sich noch werde lenken.

Berg und Tal kömmt zwar nicht leicht zusammen,

Aber noch wohl zwei verliebte Flammen.

Darum will ich alles Tun und Dichten

Nur auf dich und deine Schönheit richten.

Wenn du gleich von mir bist weit entfernet,

Und dein Augenlicht mich nicht besternet,

So bist du doch bei mir in Gedanken,

Und darvon begehr ich nicht zu wanken.