Abendlied
A. Krug
Still und ruhig wird's im Walde,
Alles schläft auf Berg und Halde,
Nur ein lauer Abendwind
Flüstert durch die Dämmerungen,
Sanft und leise, ungezwungen
Wie ein schmeichelnd bittend Kind.
Und der Mond steigt auf. Die Wellen
Grüßen ihn als Spielgesellen.
Doch sein weicher, milder Strahl
Legt sich wie ein goldnes Siegel
Auf des Stromes glatten Spiegel,
Auf die Berge, auf das Thal.
Und der trübe, finstre Schleier,
Der sich schlingt um meine Leier,
Reißt entzwei, und mich umweht
Heil'ge Ruhe -- hehre Stille.
In mir schweigen Wunsch und Wille,
All mein Sein ist nur Gebet.