Des Edelfalk sein Töchterlein

A. Krug

Des Edelfalk sein Töchterlein

Saß hoch auf grüner Linde,

In Thale sang Frau Nachtigall

Das Lied vom "Grafenkinde":

"Viel Freier kamen von nah und fern,

"Doch keinem war es gewogen,

"Es wollte den jungen König han,

"Der kam aus dem Krieg gezogen..."

Des Falken schmuckes Töchterlein

Die Neugier plagt' ein wenig,

Drum flog es hin zur Nachtigall

Und frug: "Wie wird's mit dem König?"

Die sprach: "Mein Kind, wenn du warten kannst,

"Will ich dir's einmal sagen,

"Doch während ich dichte, darfst du mich nicht

"Plagen mit allerlei Fragen."

Des Falken holdes Töchterlein

Flog wieder hinauf zur Linde,--

Es wartet noch heut, daß Frau Nachtigall

Das Ende vom Liede finde.