An einem Grabe

A. Levinsohn

Dem Armen der gebeugt vom Jammer,

Dem Reichen in der gold'nen Kammer,

Uns Allen naht der Tod und schwingt

Den Hammer,

Und was im Herzen klagt und singt,

Verklingt.

Was Großes auch der Mensch empfinde,

Was er erstrebe, was er finde:

Sein Thun und Denken sind nur Rauch

Im Winde; --

Der höchste Ruhm, was ist er auch?

Ein Hauch!

will ich damit den Schmerz vergleichen,

Die Noth, der Hoffnung früh Verbleichen,

Fühl' ich den Muth zum Leben fast

Entweichen:

Dann wünsch' ich oft von so viel Last

Mir Rast.

Wohl dem, der mit den Spielgenossen,

Den Rosen, deren Duft zerflossen,

Sobald der Lenz das Augenlid

Geschlossen,

Im ersten Kuß beim ersten Lied

Verschied!