Abendfahrt
A. Loewe
Leise, schaukelnd in dem Kahne
Zieh' ich einsam meine Bahn;
Mond, gleich einer Friedensfahne,
Sieht mich still verstohlen an.
Durch das Schilf am nahen Strande
Wind mit leisem Rauschen zieht;
Klagend, mahnend tönt vom Lande
Ferner Nachtigallen Lied.
Keine Lieder, keine Worte
Sprach der trübverschloss'ne Mund,
Und doch ward dem stillen Orte
Längst schon mein Geheimniß kund.
Bei des Kahnes leichtem Schwanken
Kündet es die Welle mir,
Daß ich einzig in Gedanken
Bin Geliebte nur bei Dir.
Auf dem Klang der Melodien,
Der herüber weht zu mir,
Traum und Wunsch und Grüße ziehen,
Ach, Geliebte, nur zu Dir.
Leise, schaukelnd in dem Kahne
Zieh' ich einsam meine Bahn;
Mond, gleich einer Friedensfahne,
Sieht mich still verstohlen an.